Inhalt (12 Abschnitte)
- Warum die Pflegeversicherung für Soldaten Pflicht ist
- Sozial oder privat: die zwei Wege der Pflegeversicherung für Soldaten
- Was die Pflegeversicherung für Soldaten kostet
- Ab wann die Pflicht gilt: Ernennung, Nachweis und Bußgeld
- Pflegeversicherung nach Status: Zeitsoldaten, Berufssoldaten, Wehrdienst
- Pflegeversicherung und Anwartschaft: das sinnvolle Paket
- Leistungen im Pflegefall: Was Soldaten bekommen
- Was nach der Dienstzeit mit der Pflegeversicherung passiert
- Die Familie in der Pflegeversicherung
- Versicherer wählen und wechseln: was das Gesetz erlaubt
- Fünf Irrtümer zur Pflegeversicherung für Soldaten
- Checkliste: Pflegeversicherung für Soldaten
- Soldaten auf Zeit und Berufssoldaten müssen pflegeversichert sein: sozial über eine Pflegekasse (§ 21 Nr. 6 SGB XI) oder privat in einer Pflegepflichtversicherung (§ 23 Abs. 4 SGB XI).
- Weil der Bund bei Pflegebedürftigkeit die Hälfte leistet (§ 69a Abs. 6 BBesG), zahlen Soldaten in der sozialen Pflegeversicherung den halben Beitragssatz: 2026 1,8 %, kinderlos ab 23 Jahren 2,4 % aller Einnahmen.
- Private Pflegepflichtversicherungen kosten für Eintrittsalter 18 bis 27 laut veröffentlichten Beispielen rund 31 bis 39 € im Monat – unabhängig vom Einkommen.
- Die Pflicht beginnt mit der Ernennung; die Bundeswehr verlangt den Nachweis unverzüglich, Verstöße gegen die private Pflegepflicht kosten bis zu 2.500 € Bußgeld (§ 121 SGB XI).
- In den ersten sechs Monaten lässt sich die Pflegeversicherung über die Öffnungsaktion mit einer Anwartschaft kombinieren – ohne gesundheitsabhängigen Risikozuschlag in der Pflegeversicherung.
Die Pflegeversicherung ist für Soldaten Pflicht: Die truppenärztliche Versorgung leistet bei Pflege nur die Hälfte, die andere Hälfte sicherst du sozial über eine Pflegekasse oder privat über eine Pflegepflichtversicherung ab (§§ 21, 23 SGB XI). Sozial zahlst du den halben Beitragssatz – 2026 1,8 %, kinderlos ab 23 Jahren 2,4 % aller Einnahmen –, privat einen einkommensunabhängigen Beitrag von beispielhaft 31 bis 39 € für Eintrittsalter 18 bis 27 (Stand Oktober 2026).
Warum die Pflegeversicherung für Soldaten Pflicht ist
Als Soldatin oder Soldat auf Zeit und als Berufssoldat/in bist du in der gesetzlichen Krankenversicherung versicherungsfrei (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 SGB V). Statt einer Krankenversicherung erhältst du die unentgeltliche truppenärztliche Versorgung, solange du Besoldung beziehst (§ 69a Abs. 1 BBesG). Sie umfasst alles medizinisch Notwendige – mindestens im Umfang der gesetzlichen Krankenversicherung.
Bei der Pflege ist es anders. § 69a Abs. 6 BBesG regelt: Bei Pflegebedürftigkeit werden ergänzend zu den Leistungen der Pflegeversicherung Leistungen in derselben Höhe gewährt. Der Bund zahlt also nur die eine Hälfte – unter der Voraussetzung, dass es eine Pflegeversicherung gibt, die die andere Hälfte übernimmt. Passend dazu bestimmt § 28 Abs. 2 SGB XI, dass Heilfürsorgeberechtigte die Leistungen der Pflegeversicherung zur Hälfte erhalten.
Deshalb verlangt das Gesetz von jedem Soldaten eine eigene Pflegeversicherung – und zwar ab dem ersten Tag. Die gute Nachricht: Weil die Pflegeversicherung nur die halbe Absicherung tragen muss, ist sie für Soldaten deutlich günstiger als für Angestellte. Und du kannst wählen, wie du sie gestaltest.
Kurz gesagtGesundheit: truppenärztliche Versorgung. Pflege: halb Bund, halb deine Pflegeversicherung. Familie: Beihilfe plus eigener Schutz. Nach dem Dienst: neue Krankenversicherung – am besten vorbereitet mit einer Anwartschaft.
Sozial oder privat: die zwei Wege der Pflegeversicherung für Soldaten
Das Gesetz kennt für Soldaten zwei Wege. Welcher in deinem Fall greift, hängt davon ab, wie du gegen Krankheit versichert bist – und genau hier lohnt die Beratung, weil die Weichen zu Dienstbeginn gestellt werden.
Sozial: bei einer Pflegekasse
Soldaten auf Zeit, die weder gesetzlich noch privat krankenversichert sind, sind in der sozialen Pflegeversicherung versicherungspflichtig (§ 21 Nr. 6 SGB XI). Sie tragen den Beitrag allein (§ 59 Abs. 4 SGB XI) und zahlen auf alle Einnahmen (§ 57 Abs. 4 SGB XI). Das ist auch der Weg, wenn du deine bisherige Krankenkasse als Pflegekasse behältst.
Privat: Pflegepflichtversicherung
Heilfürsorgeberechtigte, die nicht in der sozialen Pflegeversicherung versicherungspflichtig sind, müssen eine private Pflegepflichtversicherung abschließen (§ 23 Abs. 4 Nr. 1 SGB XI) – als anteilige, beihilfekonforme Versicherung für die halbe Absicherung. Der Beitrag hängt vom Eintrittsalter ab, nicht vom Einkommen.
In der Praxis bieten Versicherer die private Pflegepflichtversicherung für Soldaten meist zusammen mit einer Anwartschaft an; die Bundeswehr spricht in ihren Merkblättern zum Dienstantritt von der „privaten Pflegeversicherung“. Wichtig ist: Beide Wege erfüllen die Pflicht, beide bieten die gesetzlich vorgeschriebenen Leistungen – private Versicherer müssen nach Art und Umfang gleichwertige Leistungen vorsehen (§ 23 Abs. 1 SGB XI) und dürfen dich wegen Vorerkrankungen weder ablehnen noch Leistungen ausschließen (§ 110 SGB XI).
| Merkmal | Sozial (Pflegekasse) | Privat (Pflegepflichtversicherung) |
|---|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 21 Nr. 6 SGB XI (Zeitsoldaten ohne Krankenversicherung) | § 23 Abs. 4 Nr. 1 SGB XI (Heilfürsorgeberechtigte) |
| Beitrag | 1,8 % aller Einnahmen, kinderlos ab 23: 2,4 % (2026) | nach Eintrittsalter und Tarif, z. B. 31–39 € (18–27 Jahre) |
| Steigt mit Beförderung oder Zulage? | ja – jeder Euro mehr Bezüge zählt | nein – einkommensunabhängig |
| Kinderlosenzuschlag | ja, ab 23 (0,6 Punkte; 2027 laut Entwurf 0,9) | nein |
| Leistungen | zur Hälfte, andere Hälfte vom Bund | zur Hälfte, andere Hälfte vom Bund |
| Kinder | familienversichert (§ 25 SGB XI) | beitragsfrei mitversichert (§ 110 SGB XI) |
| Kombination mit Anwartschaft | nein (Anwartschaft separat) | üblich, oft beim selben Versicherer |
Was die Pflegeversicherung für Soldaten kostet
In der sozialen Pflegeversicherung beträgt der allgemeine Beitragssatz 3,6 %. Für Personen, die nach § 28 Abs. 2 SGB XI Leistungen zur Hälfte erhalten, halbiert er sich (§ 55 Abs. 1 Satz 3 SGB XI) – für Soldaten also 1,8 %. Den Kinderlosenzuschlag von 0,6 Punkten zahlst du ab dem Monat nach deinem 23. Geburtstag aber in voller Höhe; das ergibt 2,4 %. Ab dem zweiten Kind unter 25 sinkt der Satz um 0,25 Punkte je Kind. Die Mobil Krankenkasse nennt für Zeitsoldaten 2026 genau diese Sätze und als Bemessungsgrundlage mindestens 1.318,33 € und höchstens 5.812,50 € im Monat.
| Bruttobezüge | unter 23, ohne Kind | ab 23, kinderlos | 2 Kinder |
|---|---|---|---|
| 2.000 € | 36,00 € | 48,00 € | 31,00 € |
| 2.700 € (rund das Gehalt als Zeitsoldat im neuen Wehrdienst) | 48,60 € | 64,80 € | 41,85 € |
| 3.500 € | 63,00 € | 84,00 € | 54,25 € |
| 4.500 € | 81,00 € | 108,00 € | 69,75 € |
| 5.812,50 € (Beitragsbemessungsgrenze) | 104,63 € | 139,50 € | 90,09 € |
Für die private Pflegepflichtversicherung gibt es keine amtliche Tabelle. Veröffentlichte Beispiele: Ein Versicherer nennt für Heilfürsorgeberechtigte „ab 33 €“ im Monat je nach Alter (DBV, Seite vom 07.07.2026), ein anderer 35,27 € mit 19 und 38,40 € mit 27 Jahren in der beihilfekonformen 50-%-Stufe (Allianz, Mai 2026); ein Makler-Ratgeber nennt 31 bis 35 € für einen 18-jährigen Zeitsoldaten (covago, 24.07.2026). Daraus ergibt sich unsere Spanne von 31 bis 39 € für Eintrittsalter 18 bis 27.
Pflegepflicht: sozial gegen privat pro Monat
Soziale Pflegeversicherung mit halbem Beitragssatz auf die Bezüge – gegen den Mittelwert veröffentlichter Beispiele für eine private Pflegepflichtversicherung (Eintrittsalter 18 bis 27)
Eigene Berechnung 2026: 1,8 % bzw. 2,4 % der Bezüge (§§ 28, 55, 57 SGB XI; Mobil Krankenkasse). Privat: Mittelwert der Spanne 31–39 € (DBV „ab 33 €“, Allianz 35,27 € mit 19 und 38,40 € mit 27 Jahren, covago 31–35 € mit 18 Jahren). Beispiel, kein Angebot.
Der Unterschied wächst mit der Zeit: Ein Soldat auf Zeit mit 2.700 € Bezügen, der mit 20 Jahren eintritt und zwölf Jahre dient, zahlt sozial zunächst 48,60 € und ab 23 dann 64,80 € im Monat – über die Dienstzeit rund 8.748 €. Mit einer privaten Pflegepflichtversicherung zum Beispiel-Mittelwert von 35 € wären es 5.040 €. Jede Beförderung vergrößert den Abstand, denn der soziale Beitrag steigt mit den Bezügen. Ehrlich ist aber auch: Mit niedrigen Bezügen vor dem 23. Geburtstag und kurzer Dienstzeit liegen beide Varianten oft gleichauf. Deinen Fall rechnet der Pflegeversicherungs-Rechner monatsgenau.
Ab wann die Pflicht gilt: Ernennung, Nachweis und Bußgeld
Die Pflicht beginnt mit dem Dienstverhältnis. Für Soldaten auf Zeit ist das der Tag der Aushändigung der Ernennungsurkunde, sofern die Urkunde keinen späteren Tag nennt; sie endet mit Ablauf des Tages, an dem du aus der Bundeswehr ausscheidest (Mobil Krankenkasse). Die Bundeswehr empfiehlt in ihren Merkblättern zum Dienstantritt, die Pflegeversicherung schon vor Dienstantritt abzuschließen, und verlangt den Nachweis unverzüglich. Eine Mitversicherung bei den Eltern ist dort ausdrücklich ausgeschlossen, weil du eigenes Einkommen hast.
Vor dem Dienstantritt
Pflegeversicherung auswählen – sozial oder privat, am besten gleich mit Anwartschaft. Versicherungsbestätigung anfordern.
Tag der Ernennung
Die Pflicht beginnt. Nachweis zum Dienstantritt mitbringen oder unverzüglich nachreichen.
Erste sechs Monate
Zeitfenster der Öffnungsaktion für die Anwartschaft – ohne Ablehnung aus Risikogründen, Zuschlag höchstens 30 %.
Während der Dienstzeit
Beitrag zahlen, Kinder melden (Abschlag ab dem zweiten Kind), bei Heirat und Geburt die Familie mitdenken.
Wer der Pflicht zum Abschluss oder zur Aufrechterhaltung der privaten Pflegeversicherung vorsätzlich oder leichtfertig nicht nachkommt, handelt ordnungswidrig: Das Bußgeld beträgt bis zu 2.500 € (§ 121 Abs. 1 Nr. 1, Abs. 2 SGB XI). Der Dienstherr meldet Heilfürsorgeberechtigte, die weder privat noch gesetzlich krankenversichert sind, an das Bundesamt für Soziale Sicherung (§ 51 Abs. 2 SGB XI).
Die „drei Monate“ richtig einordnenViele Ratgeber nennen eine Nachweisfrist von drei Monaten. Im Gesetz steht diese Frist so nicht für Soldaten: Drei Monate nennt § 51 SGB XI als Meldefrist privater Versicherer bei Neuabschlüssen. Verlass dich nicht darauf – die Pflicht gilt ab der Ernennung, der Nachweis ist unverzüglich fällig.
Pflegeversicherung nach Status: Zeitsoldaten, Berufssoldaten, Wehrdienst
| Status | Krankenversorgung | Pflegeversicherung | Beitrag |
|---|---|---|---|
| Soldat/in auf Zeit (auch neuer Wehrdienst ab 12 Monaten) | truppenärztlich | Pflicht: sozial (§ 21 Nr. 6) oder privat (§ 23 Abs. 4) | selbst: 1,8 %/2,4 % oder privater Beitrag |
| Berufssoldat/in | truppenärztlich | Pflicht: privat (§ 23 Abs. 4) oder sozial über freiwillige GKV | selbst |
| Freiwilliger Wehrdienst (6–11 Monate) | truppenärztlich; Kassenmitgliedschaft läuft weiter | über die bisherige Pflegekasse | Bund trägt die Beiträge, kein Kinderlosenzuschlag |
| Berufssoldat/in im Ruhestand | Beihilfe 70 % + privat 30 % | beihilfekonform weiter | selbst |
| Nach dem Dienstzeitende (SaZ) | GKV oder PKV | voller Schutz: sozial 3,6 %/4,2 % oder voller Privattarif | selbst, Zuschuss nach § 18 SVG während der Übergangsgebührnisse |
Seit dem neuen Wehrdienst gilt: Wer sich für 6 bis 11 Monate verpflichtet, leistet freiwilligen Wehrdienst nach § 58b SG; eine bestehende Mitgliedschaft in der Krankenkasse läuft weiter, die Beiträge trägt der Bund (§§ 193, 251 SGB V), und für Wehrdienstleistende entfällt der Kinderlosenzuschlag (§ 55 Abs. 3 SGB XI). Wer sich für 12 Monate oder länger verpflichtet, wird Soldat/in auf Zeit (Bundeswehr) – und hat damit die Pflegepflicht ab dem ersten Tag. Der Ratgeber Soldaten auf Zeit: Krankenversicherung beschreibt den ganzen Weg bis zum Dienstzeitende.
Pflegeversicherung und Anwartschaft: das sinnvolle Paket
Für viele Soldatinnen und Soldaten ist die Pflegeversicherung der Anlass, sich zu Dienstbeginn auch um die Zeit danach zu kümmern. Denn nach dem Dienst brauchst du eine Krankenversicherung – und die private Krankenversicherung prüft dann deine Gesundheit. Die Anwartschaft verlegt diese Prüfung in die Gegenwart:
- Öffnungsaktion: Zeit- und Berufssoldaten (Berufssoldaten ohne vorheriges Dienstverhältnis als Zeitsoldat) können innerhalb von sechs Monaten ab Beginn der truppenärztlichen Versorgung eine Anwartschaft abschließen – ohne Ablehnung aus Risikogründen, ohne Leistungsausschlüsse, Zuschlag höchstens 30 % (PKV-Verband, Stand Januar 2026).
- Pflegeversicherung ohne Risikozuschlag: Wer über die Öffnungsaktion aufgenommen wird, zahlt laut PKV-Verband in der Pflegepflichtversicherung keinen gesundheitsabhängigen Risikozuschlag (PKV-Verband, Stand Januar 2026, unter Verweis auf § 110 Abs. 1 Nr. 2 d SGB XI). Unabhängig davon gilt: kein Ausschluss von Vorerkrankungen (§ 110 Abs. 3 SGB XI).
- Ein Versicherer: Pflegepflichtversicherung und Anwartschaft beim selben Versicherer zu halten, ist üblich und vereinfacht die Umstellung nach dem Dienst.
- Familie: Deine Angehörigen können die Öffnungsaktion nur nutzen, wenn du selbst eine Anwartschaft hast – aufgenommen werden sie bei deinem Versicherer.
Was die Anwartschaft bis zum Dienstzeitende kostet und bis wann dein Zeitfenster läuft, zeigt der Anwartschafts-Rechner. Wie Anwartschaften allgemein funktionieren, erklärt der Ratgeber zur Anwartschaft in der Pflegeversicherung.
Leistungen im Pflegefall: Was Soldaten bekommen
Im Pflegefall erhältst du Leistungen nach denselben Maßstäben wie in der sozialen Pflegeversicherung – private Versicherer müssen für die Feststellung der Pflegebedürftigkeit dieselben Maßstäbe anlegen (§ 23 Abs. 6 SGB XI). Die Pflegeversicherung zahlt die Hälfte, der Bund ergänzend dieselbe Höhe (§ 69a Abs. 6 BBesG). Zusammen ergibt das den vollen gesetzlichen Leistungsbetrag.
| Pflegegrad | Pflegegeld gesamt | davon Pflegeversicherung | davon Bund |
|---|---|---|---|
| Pflegegrad 2 | 347 € | 173,50 € | 173,50 € |
| Pflegegrad 3 | 599 € | 299,50 € | 299,50 € |
| Pflegegrad 4 | 800 € | 400,00 € | 400,00 € |
| Pflegegrad 5 | 990 € | 495,00 € | 495,00 € |
Die Tabelle zeigt, warum die halbe Absicherung genügt – solange du Soldat/in bist. Endet die truppenärztliche Versorgung, endet auch die Hälfte des Bundes. Dann brauchst du den vollen Schutz: sozial mit dem vollen Beitragssatz, privat mit einer Umstellung auf die volle Tarifstufe.
Was nach der Dienstzeit mit der Pflegeversicherung passiert
Mit dem Dienstzeitende ändert sich die Pflegeversicherung automatisch mit. Für Soldaten auf Zeit endet die Versicherungspflicht nach § 21 Nr. 6 SGB XI mit Ablauf des Tages des Ausscheidens. Trittst du der GKV bei, bist du dort mit dem vollen Pflegesatz versichert (3,6 %, kinderlos ab 23: 4,2 %; 2027 laut Entwurf 4,5 %). Bist du privat versichert, stellt der Versicherer auf den vollen Schutz um – in der Regel zusammen mit der Umwandlung deiner Anwartschaft in die Krankenversicherung.
Während der Übergangsgebührnisse bezuschusst der Bund auch die Pflegeversicherung: in der GKV mit der Hälfte der Beiträge, in der PKV im Rahmen des Höchstzuschusses (§ 18 SVG). Berufssoldaten im Ruhestand behalten eine beihilfekonforme Pflegeversicherung, denn als Versorgungsempfänger erhalten sie Beihilfe auch bei Pflege. Alle Wege nach dem Dienst beschreibt der Ratgeber Bundeswehr: Krankenversicherung nach der Dienstzeit; die Zahlen rechnet der Dienstzeitende-Rechner.
Die Familie in der Pflegeversicherung
Kinder sind in beiden Systemen beitragsfrei mitversichert: sozial über die Familienversicherung (§ 25 SGB XI), privat unter denselben Voraussetzungen (§ 110 SGB XI). Für Ehe- und Lebenspartner gilt: Liegen ihre Einkünfte unter der Beihilfe-Grenze des Bundes (22.648 € für Anträge 2026, 23.608 € ab 2027), erhalten sie Beihilfe auch bei Pflege und brauchen eine anteilige private Pflegeversicherung (§ 23 Abs. 3 SGB XI) – oder sie sind über die eigene Arbeit sozial pflegeversichert. Wie deine Familie insgesamt abgesichert ist, zeigt der Familien-Rechner.
Versicherer wählen und wechseln: was das Gesetz erlaubt
Bei der privaten Pflegepflichtversicherung musst du nicht zwingend den Versicherer nehmen, bei dem du eine Anwartschaft hast. Das Gesetz erlaubt, den Vertrag bei einem anderen privaten Versicherungsunternehmen abzuschließen; dieses Wahlrecht ist innerhalb von sechs Monaten ab Eintritt der individuellen Versicherungspflicht auszuüben (§ 23 Abs. 2 SGB XI). Danach kannst du den Vertrag weiterhin kündigen – wirksam wird die Kündigung bei fortbestehender Pflicht aber erst, wenn du nachweist, dass du ohne Unterbrechung bei einem neuen Versicherer versichert bist.
Weil die Öffnungsaktion für Angehörige an den Versicherer deiner Anwartschaft gebunden ist, lohnt es sich, Anwartschaft und Pflegepflichtversicherung von Anfang an beim selben Versicherer zu bündeln. Welche Versicherer die Öffnungsaktion tragen und wie sie ihre Tarife für Heilfürsorgeberechtigte gestalten, vergleicht ein spezialisierter Partner-Experte für dich – beschreibend und ohne Rangliste.
Fünf Irrtümer zur Pflegeversicherung für Soldaten
- „Die Bundeswehr zahlt meine Pflegeversicherung.“ Nein – den Beitrag trägst du allein (§ 59 Abs. 4 SGB XI). Der Bund trägt im Pflegefall die Hälfte der Leistungen; deshalb ist dein Beitrag halbiert.
- „Ich bin noch über meine Eltern versichert.“ Mit der Ernennung zum Soldaten auf Zeit brauchst du eine eigene Pflegeversicherung; die Bundeswehr schließt die Mitversicherung bei den Eltern wegen des eigenen Einkommens aus.
- „Ich habe drei Monate Zeit.“ Eine solche Frist für Soldaten steht nicht im Gesetz. Die Pflicht gilt ab dem ersten Tag, der Nachweis ist unverzüglich fällig.
- „Privat ist in jedem Fall günstiger.“ Für viele junge Soldaten ja – mit sehr niedrigen Bezügen vor dem 23. Geburtstag liegen beide Wege aber oft gleichauf. Der Rechner zeigt es dir ehrlich.
- „Mit der Pflegeversicherung habe ich auch eine Anwartschaft.“ Nein. Die Anwartschaft für die spätere Krankenversicherung ist ein eigener Vertrag – sinnvoll im selben Paket, aber gesondert abzuschließen.
Checkliste: Pflegeversicherung für Soldaten
- Vor dem Dienstantritt: Weg wählen – sozial bei einer Pflegekasse oder privat, am besten zusammen mit einer Anwartschaft.
- Versicherungsbestätigung zum Dienstantritt mitbringen oder unverzüglich nachreichen.
- Fristende der Öffnungsaktion notieren: Dienstbeginn plus sechs Monate.
- Kinder melden – ab dem zweiten Kind sinkt der soziale Beitrag, privat sind Kinder beitragsfrei mitversichert.
- Bei Heirat und Geburt: Fristen der Öffnungsaktion für Angehörige nutzen (sechs Monate).
- Vor dem Dienstzeitende: Umstellung auf den vollen Schutz und Zuschuss nach § 18 SVG vorbereiten.
Die private Pflegepflichtversicherung im Allgemeinen – auch für Angestellte und Selbstständige – behandelt der Ratgeber zu den Kosten der privaten Pflegepflichtversicherung. Weitere Begriffe erklärt das Lexikon. Die Einzelheiten zu jeder Lage beschreiben unsere Ratgeber zur Pflegeversicherung:
Gesetzliche Pflegeversicherung oder privat?
Halber Beitragssatz bei der Pflegekasse oder einkommensunabhängiger Privatbeitrag: Was AOK, TK & Co. verlangen und wann privat die bessere Wahl ist.
Weiterlesen PflegeversicherungPflegepflichtversicherung bei der Bundeswehr
Was die Bundeswehr zum Dienstantritt von dir erwartet, was du mitbringst und welche Hälfte der Pflege der Bund übernimmt.
Weiterlesen PflegeversicherungPflicht, Nachweis und die „3 Monate“
Ab wann die Pflegepflicht für Soldaten gilt, welchen Nachweis die Bundeswehr verlangt und warum du nicht auf eine Drei-Monats-Frist warten solltest.
Weiterlesen PflegeversicherungPflegeversicherung für Soldaten auf Zeit (SaZ)
Halber Beitragssatz bei der Pflegekasse oder privat mit Anwartschaft: Was Zeitsoldaten über 4, 8 oder 12 Dienstjahre zahlen.
Weiterlesen PflegeversicherungPflegeversicherung für Berufssoldaten
Pflegepflicht im Dienst, Übernahme aus dem Zeitsoldatenverhältnis, Ruhestand mit Beihilfe: So bleibt dein Pflegeschutz lückenlos und günstig.
Weiterlesen PflegeversicherungPflegeversicherung im freiwilligen Wehrdienst (FWDL)
Was im freiwilligen Wehrdienst von 6 bis 11 Monaten mit deiner Pflegeversicherung passiert – und was sich ab 12 Monaten als Soldat/in auf Zeit ändert.
Weiterlesen PflegeversicherungPflegeversicherung nach der Dienstzeit
Vom halben zum vollen Schutz: Was mit deiner Pflegeversicherung passiert, wenn du in die GKV, in die PKV oder in eine Beamtenlaufbahn wechselst.
Weiterlesen PflegeversicherungPrivate Pflegeversicherung: Anbieter im Überblick
Welche Bedingungen jeder private Anbieter erfüllen muss, welche Beitragsbeispiele veröffentlicht sind und welche Versicherer an der Öffnungsaktion teilnehmen.
Weiterlesen PflegeversicherungOhne Pflegepflichtversicherung: was droht, was hilft
Pflegeversicherung vergessen oder zu spät abgeschlossen? Was im Gesetz steht – Bußgeld, Meldung, Nachzahlung – und wie du die Lücke sofort schließt.
WeiterlesenAußerdem: wie du die Pflegeversicherung als Soldat wechselst, was gilt, wenn dein Kind zur Bundeswehr geht, und alle Monatsbeiträge in der Tabelle Pflegeversicherung Beitragssatz für Soldaten 2026/2027.
Deine Fristen und deinen Beitrag sozial gegen privat zeigt der kostenlose Soldaten-KV-Check in 60 Sekunden.
Häufige Fragen
Müssen Soldaten eine Pflegeversicherung haben?
Ja. Soldaten auf Zeit ohne Krankenversicherung sind in der sozialen Pflegeversicherung versicherungspflichtig (§ 21 Nr. 6 SGB XI); Heilfürsorgeberechtigte, die nicht sozial pflegeversichert sind, müssen eine private Pflegepflichtversicherung abschließen (§ 23 Abs. 4 SGB XI). Die truppenärztliche Versorgung deckt Pflege nur zur Hälfte ab.
Welche Pflegeversicherung ist für Soldaten die richtige?
Das hängt von Bezügen, Alter, Familie und deinem Weg nach dem Dienst ab. Sozial zahlst du 1,8 % bzw. kinderlos ab 23 2,4 % aller Einnahmen, privat einen einkommensunabhängigen Beitrag – für junge Eintrittsalter laut Beispielen rund 31 bis 39 €. Wer nach dem Dienst in die PKV will, kombiniert die private Pflegepflichtversicherung meist mit einer Anwartschaft.
Bis wann muss ich als Soldat die Pflegeversicherung nachweisen?
Die Pflicht beginnt mit der Ernennung, also meist mit der Aushändigung der Ernennungsurkunde. Die Bundeswehr verlangt den Nachweis laut ihren Merkblättern zum Dienstantritt unverzüglich und empfiehlt, die Versicherung schon vorher abzuschließen. Eine gesetzliche Drei-Monats-Frist für Soldaten gibt es nicht.
Was passiert, wenn ich als Soldat keine Pflegeversicherung habe?
Wer der Pflicht zur privaten Pflegeversicherung vorsätzlich oder leichtfertig nicht nachkommt, handelt ordnungswidrig – das Bußgeld beträgt bis zu 2.500 € (§ 121 SGB XI). Der Dienstherr meldet Heilfürsorgeberechtigte ohne Versicherung an das Bundesamt für Soziale Sicherung (§ 51 Abs. 2 SGB XI). Hol den Abschluss deshalb sofort nach.
Kann ich als Soldat bei den Eltern pflegeversichert bleiben?
Nein. Die Bundeswehr weist in ihren Merkblättern darauf hin, dass eine Mitversicherung bei den Eltern wegen des eigenen Einkommens nicht zulässig ist. Mit der Ernennung brauchst du eine eigene Pflegeversicherung – sozial oder privat.
Zahlt die Bundeswehr die Pflegeversicherung?
Nein, den Beitrag trägst du selbst (§ 59 Abs. 4 SGB XI). Der Bund leistet aber im Pflegefall die Hälfte der Leistungen (§ 69a Abs. 6 BBesG); deshalb zahlst du sozial nur den halben Beitragssatz und privat einen Tarif für die halbe Absicherung. Im freiwilligen Wehrdienst trägt der Bund die Beiträge einer bestehenden Kassenmitgliedschaft.
Quellen
- § 21 SGB XI – Versicherungspflicht sonstiger Personen (Nr. 6: Soldaten auf Zeit) – abgerufen 18.10.2026
- § 23 SGB XI – Versicherungspflicht für Versicherte der privaten Krankenversicherung – abgerufen 18.10.2026
- § 28 SGB XI – Leistungsarten, Grundsätze – abgerufen 18.10.2026
- § 55 SGB XI – Beitragssatz, Beitragszuschlag für Kinderlose – abgerufen 18.10.2026
- § 59 SGB XI – Beitragstragung – abgerufen 18.10.2026
- § 110 SGB XI – Regelungen für die private Pflegeversicherung – abgerufen 18.10.2026
- § 121 SGB XI – Bußgeldvorschrift – abgerufen 18.10.2026
- § 69a BBesG – Truppenärztliche Versorgung – abgerufen 18.10.2026
- Mobil Krankenkasse: Informationen zur Pflegeversicherung für Zeitsoldaten (PDF) – Werte 2026
- Bundeswehr: Merkblatt zum Dienstantritt für Neueinsteiger (Marineschule Mürwik) – abgerufen 18.10.2026
- PKV-Verband: Erleichterte Aufnahme in die PKV (Öffnungsaktion) – Stand Januar 2026
- DBV: Anwartschaft für Heilfürsorgeberechtigte (Versichererangabe) – Seite 07.07.2026
- § 37 SGB XI – Pflegegeld für selbst beschaffte Pflegehilfen – abgerufen 18.10.2026
Dieser Beitrag bietet allgemeine Informationen zu der Kranken- und Pflegeversicherung von Soldatinnen und Soldaten (truppenärztliche Versorgung, Pflegepflicht, Anwartschaft, Beihilfe, Dienstzeitende) (Stand: 18. Oktober 2026). Er ersetzt keine individuelle Beratung. Welche Lösung zu dir passt, hängt von deiner persönlichen Situation ab, z. B. Alter, Gesundheit, Einkommen und Familie. Trotz sorgfältiger Prüfung übernehmen wir keine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität; Gesetze und Tarife ändern sich. Informationsportal – kein Angebot der Bundeswehr oder des BMVg; verbindlich entscheiden Pflegekasse, Krankenkasse, Beihilfestelle und die zuständigen Stellen der Bundeswehr. Herausgeber: Soldaten-PKV.de. Soldaten-PKV.de ist kein Versicherungsmakler und bietet keine Versicherungs-, Rechts- oder Steuerberatung an; eine individuelle Beratung erfolgt ausschließlich durch spezialisierte Kooperationspartner mit Erlaubnis nach § 34d GewO.